Rückblick über 15 Jahre Myoli e.V.

Der Grundstein

Alles fing mit einer Reise im Januar 2011 an. Stefan Kempf, Michael Schröter und zwei weitere Kollegen der Robert Bosch GmbH waren damals geschäftlich in Südafrika. Sie nutzten die Gelegenheit, um zusammen mit Barbara Waldschmidt – einer Wahl-Kapstädterin, die bereits seit 2001 eine der ärmsten Gemeinden unterstützte – das Township Khayelitsha zu besuchen.

Als Dank für mitgebrachte Sachspenden führten die Kinder vor Ort stets beeindruckende Chor- und Theaterstücke auf. Diese unvergessliche Begeisterung und die unfassbare Herzlichkeit der Beschenkten ließen die Besucher nicht mehr los. Es war genau dieser Moment, der den entscheidenden Anstoß gab: Wir wollten einen gemeinnützigen Verein gründen, um immer wieder ein Lächeln in die Gesichter der Kinder von Khayelitsha zu zaubern.

Die Vereinsgründung

Am 9. Mai 2011 war es dann so weit: In Vaihingen an der Enz fand unsere Gründungsversammlung statt. Es nahmen Mitglieder aus vier Bundesländern (Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern) und ein Mitglied aus Südafrika via Internet teil.

Bei Myoli e.V. arbeiten alle Mitarbeiter ehrenamtlich und tragen ihre Unkosten selbst. Auch der gering gehaltene Verwaltungsaufwand wird ebenfalls durch die Zuwendungen der Mitglieder getragen.

Auf der Gründungsversammlung wurde die Satzung beschlossen und anschließend der Verein Myoli e. V. notariell beglaubigt und offiziell eingetragen. Die Gemeinnützigkeit wurde seit dem 25.08.2011 durch das Finanzamt bestätigt.

Die Anfänge

Es ging ganz bescheiden los Unsere erste Spende über 450 Euro erhielten wir im August 2011 aus dem Erlös eines Volleyballturniers. Kurz darauf, im November, bauten wir unseren allerersten Myoli-Stand auf dem Vaihinger Weihnachtsmarkt auf und nahmen – inklusive Spenden – 700 Euro ein. Niemand von uns hätte damals geahnt, dass daraus eine so lange und erfolgreiche Tradition werden würde.  Ab Anfang Dezember 2011 haben wir bei Bosch die 1. Spendensammlung gestartet. Von Anfang an war Bosch und vor allem die Bosch-Mitarbeiter ein wichtiges Standbein zur Unterstützung von Myoli. Es folgten Kleiderspenden und die kostenlosen Transporte durch Boschmitarbeiter, die dort auf Geschäftsreise nach Südafrika einen Zwischenstopp in Kapstadt einlegten. Im Januar 2012 wurde an alle Spender und Fördermitglieder die ersten ausgestellten Bescheinigungen des Finanzamtes zur Anerkennung der Gemeinnützigkeit versendet. Myoli e.V. wurde damit berechtigt für Spenden und Mitgliedsbeiträge Zuwendungsbescheinigungen zur Vorlage beim Finanzamt auszustellen. Am 23. April 2012 fand die 1. Vollversammlung statt. Der Rechenschaftsbericht für das Kalenderjahr 2011 wurde vorgestellt. Die Kassenprüfung wurde vorgelegt, in der keine Unregelmäßigkeiten festgestellt werden konnten. Der Vorstand wurde einstimmig entlastet. Wichtige grundsätzliche Ziele für den Verein in 2012 wurden intensiv diskutiert und definiert. Am 30. Juni 2012 wurde in der Vaihinger Kreiszeitung ein erster, ganzseitiger Artikel über Myoli veröffentlich unter dem Titel „Hilfe und Hoffnung für die Kinder in Khayelitsha“. Neben der ausführlichen Vorstellung des Vereins, konnten auch die aktuellen und zukünftigen Projekte erläutert werden und auf den Erfolg beim ersten Spenden Voting eingegangen werden. Im Dezember 2012 wurden die Bewerbungen für das 1. „Schulstarterset“ und das neugegründete „Learning for Food Programm“ gesichtet und die Kandidaten bestimmt. Im Januar 2013 fiel der Startschuss für unser „Learning for Food Programm“. Wir begannen mit drei Kindern. Unsere allererste Stipendiatin war damals ein 14-jähriges Mädchen, das eine gute Schülerin war, deren Schulgeld aber nach dem Tod ihrer Mutter nicht mehr bezahlt werden konnte. Durch Spenden, Erlöse von Veranstaltungen und Patenschaften konnten wir fast jedes Jahr weiter Kinder aufnehmen. 

Etablierte und nachhaltige Arbeit von Myoli

Aktuell werden 22 Kinder und Jugendliche durch unser Learning4 Food unterstütz, wobei 19 an Paten vermittelt sind. Leider erreichen wir langsam die Grenzen unserer Möglichkeiten. Wir denken nicht, dass wir mehr als 25 Kinder betreuen können, da wir nur 2 Vorstände vor Ort in Kapstadt haben. Trotz ihres großen und unermüdlichen Einsatzes erreichen wir logistisch Grenzen. Vielleicht erreichen wir durch diesen Artikel gemeinnützig denkende Menschen, die zumindest teilweise vor Ort in Kapstadt leben und sich bei Myoli e. V. einbringen wollen? 

Inzwischen sind die Veranstaltungen von Myoli e.V etabliert und gut organisiert. Auch hier hat es eine stetige Weiterentwicklung gegeben, sowohl im Erfahrungsaufbau als auch in den angeschafften Mitteln wie Zelte, Tische, Crêpes Platten, Geschirr, Warmhaltemöglichkeiten für Speisen und Getränke, Starkstromanschlüsse und vieles mehr. Unsere wichtigsten Aktivitäten in Deutschland sind das Benefizkonzert, die Boxberg Klassik Unterstützung und der Vaihinger Weihnachtsmarkt. In Südafrika sind es nach wie vor die monatlichen Essenspakete, inklusive deren Aufstockung, die regelmäßige Nachhilfe, die Ausflüge, Geburtstagsgeschenke, Sichtung der Zeugnisse und ggf. Bewerbungen für Neuaufnahmen, die Ausgabe von Schulmaterialen und die Aufnahme von Anträgen für Sonderunterstützung, wie Schulgebühren, Schuluniformen, Handys, Laptops, Hilfe bei Härtefällen und vieles mehr. Alles wird sorgfältig geprüft und meistens großzügig bewilligt. Myoli e.V. ist solide finanziert und verfügt über ausreichende eigene Mittel, um sicherzustellen, dass kein Kind kurzfristig aus der Unterstützung genommen wird. Von Anfang an war es unser Ziel für mindestens 3 Jahre die Unterstützung weiterführen zu können, wenn die Einnahmen wegbrechen sollten. Neben dieser Verlässlichkeit war uns immer auch die Nachhaltigkeit unserer Unterstützung wichtig. Es wurde und wird sehr großen Wert auf schulische Bildung und gute Noten gelegt. Die Unterstützung sollte idealerweise von der Grundschule bis zur Ausbildung oder Studium gehen. Wo notwendig werden Gespräche mit konkreten Forderungen gestellt, aber auch Angebote zur Förderung gegeben, wie die Nachhilfe. Fordern und fördern war schon seit der Gründung ein Hauptprinzip. 

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir einige Kinder und Jugendliche verloren haben. Teils durch Drogen, Fehlverhalten oder sogar durch Tod. Entscheidungen, die nie leichtgefallen sind und ausführlich diskutiert wurden. Deutlich schöner und motivierender sind Austritte, wenn die Förderung durch den erfolgreichen Abschluss der Schule, der Ausbildung oder sogar eines Studiums erfolgten. Einige dieser jungen Erwachsenen waren die ersten in ihrer Familie, die – dank Myoli – ein Studium absolvieren konnten. 

Jeder Cent kommt an

Ein weiterer wichtiger Grundsatz von Myoli e.V. schon seit der Gründung. Wir haben den Verein gegründet, um anders zu sein als viele andere Hilfsorganisationen. Wir wollten immer genau wissen und nachvollziehen können, was mit dem Geld der Spender passiert. Es soll Namen und Gesichter geben von den Kindern und Jugendlichen, die von Myoli möglichst langfristig unterstützt werden. Es gibt im Vorstand und bei den Helfern, egal ob Mitglieder oder externe, nur Ehrenamtliche.  Die Verwaltungskosten sind extrem gering und werden nicht aus Spenden finanziert. Die Ausgaben werden streng nachvollzogen und verantwortungsvoll verwendet. Unsinnige oder verschwenderische Ausgaben gibt es nicht. 

Unterstützung der Mitglieder und Helfer

Damit wir diese unglaubliche Arbeit weiterführen können, brauchen wir Sie. Wir haben das große Glück, einen festen Kern aus Vorstandsmitgliedern, Familien und Freunden zu haben, die unermüdlich helfen. Gleichzeitig beobachten wir leider, dass die aktive Unterstützung der Mitglieder in den letzten Jahren zurückgeht. Wenn die Last auf zu wenigen Schultern ruht, geraten unsere lebenswichtigen Veranstaltungen in Gefahr. Daher mein Appell an Sie alle am heutigen Tag: Macht mit! Werden Sie Teil unseres Teams. Gutes zu tun, macht nicht nur andere glücklicher, sondern auch einen selbst.

Wir können unglaublich stolz darauf sein, was wir in den letzten 15 Jahren gemeinsam erreicht haben. Lassen Sie uns zusammen dafür sorgen, dass Myoli e.V. auch in Zukunft das Leben vieler Kinder zum Positiven wendet.

Vielen Dank an Sie alle für Ihre Treue, Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung!